Ursachen für diese peripartalen Reaktionsformen sind individuell verschieden, da zahlreiche körperliche, hormonelle, biochemische, psychische, soziale und gesellschaftliche Faktoren ineinander fließen. Meist führt das Zusammenwirken mehrerer Ursachefaktoren zu einer psychischen Überlastungsreaktion. Anzahl und Intensität der einzelnen Belastungsfaktoren bestimmen das Ausmaß der Erkrankung. Das hat zur Folge, dass bei jeder Frau eine unterschiedliche Gewichtung der an der Erkrankung beteiligten Faktoren zu berücksichtigen ist.

Physische Faktoren

  • Gravierende hormonelle Veränderungen nach der Entbindung
  • Schilddrüsendysfunktion
  • biochemische Veränderungen durch die schlaflosen Nächte
  • psychische Vorerkrankung
  • genetische Veranlagung

Peripartale Faktoren

  • langes Warten auf eine Schwangerschaft
  • vorhergehende Fehlgeburt
  • ungeplante oder unerwünschte Schwangerschaft
  • Schwangerschafts-Komplikationen
  • Verunsicherung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge
  • Schwangerschafts-Depression
  • traumatisches, sehr schmerzhaftes und/oder langwieriges Entbindungserlebnis
  • Notkaiserschnitt; unruhige oder unsensible Entbindungsumgebung
  • Frühgeburt; krankes oder totes Kind
  • Schwierigkeiten beim Stillen
  • abruptes und/oder ungewolltes Abstillen
  • Einnahme bestimmter Abstill-Präparate

Psychische Faktoren

  • Abschied von der Schwangerschaft
  • Abschied vom "Traum-Baby"
  • Abschied von der eigenen Kindheit
  • persönliche Einschränkungen
  • Identitätskrise
  • Verlust der Selbstständigkeit
  • Verlust der Freiheit und Selbstbestimmung
  • Perfektionismus
  • Kontrollverlust
  • traumatische Erlebnisse im zeitlichen Umfeld der Schwangerschaft und Entbindung
  • belastende Umstände wie Ortswechsel, finanzielle und/oder soziale Probleme
  • Beziehungsprobleme
  • traumatische Erlebnisse in der Kindheit
  • durch die Geburt reaktivierte unverarbeitete Erfahrungen aus der eigenen Lebensgeschichte

Soziale Faktoren

  • Idealisiertes Mutterbild in Literatur und Werbung
  • in der Pflege anspruchsvolle Kinder
  • Neufindung in die Rolle als Mutter
  • mangelnde Unterstützung durch den Partner und das soziale Umfeld
  • veränderte Beziehung zum Partner
  • veränderte Beziehung zu den bereits vorhandenen Kindern
  • veränderte Beziehung zu den Eltern und Schwiegereltern
  • Abbruch der alten freundschaftlichen Beziehungen (zu Nicht-Eltern)
  • Wegfall der Großfamilien und ihrer Unterstützung
  • patriarchale Gesellschaftsform mit geringerer sozialer und materieller Sicherheit für Mütter