Im Bereich der Aufklärung kommt besonders den Hebammen und Geburtsvorbereiterinnen eine tragende Rolle zu. Im Rahmen der Geburtsvorbereitung bietet sich die Chance, auf das Krankheitsbild der peripartalen psychischen Erkrankungen hinzuweisen, damit betroffene Frauen ihren Zustand schneller einordnen und sich Hilfe suchen können. Außerdem kann bei der Geburtsvorbereitung der Entstehung der postpartalen Depression entgegengewirkt werden. Zusätzlich ist es sehr wichtig, dass die Hebamme oder Geburtsvorbereiterin ihre Bereitschaft signalisiert, als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen, falls Seelennöte auftauchen. Ein solch offen ausgesprochenes Angebot erleichtert es Frauen, gegebenenfalls darauf zurückzugreifen. Neben diesem mündlichen Angebot ist es weiterhin angebracht, schriftliches Informationsmaterial zu verteilen, das im Bedarfsfall zur Verfügung steht. Alle Frauen sollten im Geburtsvorbereitungskurs ein Informationsblatt erhalten, welches in geraffter Form über peripartale Krankheitsbilder aufklärt, Ursachen und Hilfsquellen benennt. Dazu stehen Handzettel des Vereins zur Verfügung (Bestellung s. Kontakt).

Eine verstärkte Berücksichtigung der emotionalen Seite der Mutterschaft bereits mit der Ankunft des Babys trägt entscheidend zum Wohlbefinden der frisch entbundenen Frau bei. Denn als ein wesentlicher Faktor der postpartalen Seelenkrise gilt ein traumatisches Geburtserlebnis. Die betreuende Hebamme sollte sich in der postpartalen Nachsorge die Zeit dafür nehmen, dies oft verschwiegene Thema anzuschneiden und somit der Frau die Gelegenheit geben, eventuelle Unglücksgefühle auszusprechen. Da die Hebamme die Mutter häufig schon während der Schwangerschaft kennt, mag ihr eine Veränderung im Verhalten nach der Entbindung deutlicher auffallen. Eine frühe Diagnose wirkt einer Chronifizierung der Depression entgegen. Die Aufgabe der Hebamme besteht in diesem Zusammenhang in ihrer diagnostischen Kompetenz, frühzeitig Symptome zu erkennen, einzuordnen, die betroffene Frau darauf anzusprechen, behutsam aufzuklären und gegebenenfalls an einen Therapeuten weiterzuleiten.

Ein gutes Instrumentarium, um Frauen mit einer Depression rechtzeitig ausfindig zu machen, stellt die Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale (EPDS) von Cox dar (s. Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale). Es ist sinnvoll, diesen Fragebogen mit allen betreuten Müttern durchzugehen, wie es beispielsweise in England praktiziert wird, um möglicherweise betroffene Frauen früh zu erkennen. Dazu bedarf es auch dringend einer Verlängerung der ärztlichen postpartalen Nachsorge bei der Gynäkologin / dem Gynäkologen. Nachuntersuchungen in bestimmten Abständen sollten darauf abzielen, Frauen mit PPD auszumachen und entsprechende Hilfsmaßnahmen einzuleiten, bevor sich die Depression chronifiziert. Durch eine routinemäßige Anwendung der EPDS während der ersten Monate nach der Geburt könnten viele Mütter, die der Hilfe bedürfen, ausfindig gemacht und Verschlimmerungen des Zustands vorgebeugt werden.